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Freie “Themenbearbeitung“:
Dem Schwein ist alles Schwein (Volksmund)
Gnoti sauton - Erkenne dich selbst! (alt-griechische Einsicht)
Fehlerhafte Übersetzung: Erkenne die Sau in dir!
Die Krone der Schöpfung, das Schwein - der Mensch (Gottfried Benn)
„Es war aber dort am Berg eine große Herde von Schweinen auf der Weide, und die bösen Geister baten ihn: „Schick uns zu den Schweinen, dass wir in sie hineinfahren! - Jesus gestattete es ihnen.“ (Mk 5, 11)
Das Schreiben und das Lesen, ist nie mein Fach gewesen
denn schon von Kindesbeinen, befasst ich mich mit ..... (Johann Strauß)

Die Faulen werden geschlachtet - die Welt wird fleißig (Erich Fried)
schweineineineineineineineinE
grununununununununZen (Jandls Beobachtungen auf dem Land)
„Ja, wer so ein junges Schwein hätte! Das schmeckt anders, dabei noch die Würste.“ (Hans im Glück)
Nur Tiere, welche gespaltene Klauen haben und Wiederkäuer sind, darf man essen; verboten sind: Kamel, Hase, Schwein. (Speisevorschrift)
„Hund? “ “Ja, Schweinchen?” - “Hund, darf ich Mama zu dir sagen?“ (Schweinchen Babe)
Es ist der erste Mensch, den ich mit meinen Händen getötet habe, dessen Sterben mein Werk ist. (Remarque)
Ich saz ûf eime steine Walther von der Vogelweide
(Ich hatte mich auf einen Stein gesetzt - Adaption Lyrikschadchen)
Zufall und Wesen (Mensch, werde wesentlich) Angelus Silesius
Ebenbild unseres Lebens (Der Mensch, das Spiel ...) Andreas Gryphius
Menschliche Elende (Was sind wir Menschen doch...) Andreas Gryphius
Der Mensch (Empfangen und genähret) Matthias Claudius
Prometheus (Bedecke deinen Himmel, Zeus) Johann W. Goethe
Wanderers Nachtlied I (Der du von dem Himmel bist) Johann W. Goethe
Wanderers Nachtlied II (Über allen Gipfeln) Johann W. Goethe
An den Mond (Füllest wieder Busch und Tal) 1. u 2. Fg. Johann W. Goethe
Sonett (Wer wusste je das Leben recht zu fassen) August von Platen
An den Mond (Wandle, wandle, holder Schimmer!) Franz Grillparzer
Abendlied (Augen. Meine lieben Fensterlein) Gottfried Keller
Umsonst (Immer rascher fliegt der Funke) Theodor Fontane
Ja, das möchte ich noch erleben (Eigentlich ist mir alles gleich) Theodor Fontane
Ecce homo (Ja! Ich weiß, woher ich stamme!) Friedrich Nietzsche
Ballade des äußeren Lebens (Und Kinder wachsen auf … ) Hugo von Hofmannsthal
Palmström (Pamström steht an einem Teiche) Christian Morgenstern
In der abendlichen Sonne (Franz Kafka)
Mamme (De Kinner sind up eenmoal graut) Johann Spratte
Ovids Metamorphosen (Das war eine andere, schönere Zeit) Hans Bender
Wie es kommen wird (Bei mir behalten?) Hans Bender
Kleiner Nachtrag zu der Gedichtform italienischen Ursprungs, die Robert Gernhardt nicht gern hat: Sonett
Ebenbild unseres Lebens . Auf das gewöhnliche Königs-Spiel.
(DEr Mensch das Spiel der Zeit/ spilt weil er allhie lebt)
(Wie kann man das Schachspiel “gewöhnlich” nennen” Welche Elo-Zahl hat denn Gryphius gehabt, alter Schwede? Ach ne, Schlesier!)
„Mensch, kein copyright!“
Schöne Jugend (Der Mund eines Mädchens...) Gottfried Benn
Der Radwechsel (Ich sitze am Straßenrand) Bert Brecht
Überall Jerusalem (Verborgen ist es im Köcher) Nelly Sachs
Die Ertrunkene (Immer suchst du die Perle am Tage deiner Geburt verloren)
Vergnügungen (Der erste Blick aus dem Fenster) Bert Brecht
Gebirgsrand (Denn was täte ich/ wenn die Jäger nicht wären) Ilse Aichinger
Genazzano (...am Abend/ winterlich) Marie Luise Kaschnitz
Ecce Homo (Weniger als die Hoffnung auf ihn) Hilde Domin
Deutsche Ballade (Das hohe alter der mutter sei/kein grund) Reiner Kunze
Vor der Haustür (Manchmal morgens,/ wenn ich vor die haustür trete) Wulf Kirsten
Angelus Silesius (1624 –1677)
Zufall und Wesen
Mensch werde wesentlich: denn wann die welt vergeht/
So faellt der Zufall weg/ das Wesen das besteht.
Andreas Gryphius (1616 - 1664)
Andreas Gryphius (1616 - 1664)
Menschliche Elende
Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid,
Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.
Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit
Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt,
So muss auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.
Was itzund Atem holt, muss mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
Was sag ich? Wir vergehn wie Rauch von starken Winden.
(1637)
Matthias Claudius (1740 – 1815)
Der Mensch
Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nichts wahr;
Gelüstet und begehret,
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret;
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret;
Trägt braun und graues Harr
Und alles dieses währet,
Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder.
(1783)
*
Anna Louisa Karsch (1722-1791)
Belloisens Lebenslauf
Ich ward geboren ohne feierliche Bitte
Des Kirchspiels ohne Priesterflehn
Hab ich in strohbedeckter Hütte
Das erste Tageslicht gesehn,
Wuchs unter Lämmerchen und Tauben
Und Ziegen bis ins fünfte Jahr,
Und lernt' an einen Schöpfer glauben,
Weil's Morgenroth so lieblich war,
So grün der Wald, so bunt die Wiesen,
So klar und silberschön der Bach.
Die Lerche sang für Belloisen,
Und Belloise sang ihr nach.
Die Nachtigall in Eisensträuchen
Erhub ihr süßes Lied, und ich
Wünscht' ihr im Tone schon zu gleichen.
Hier fand ein alter Vetter mich
Und sagte: du sollst mit mir gehen.
Ich ging und lernte bald bei ihn
Die Bücher lesen und verstehen,
Die unsern Sinn zum Himmel ziehn.
Vier Sommer und vier Winter flogen
Zu sehr beflügelt uns vorbei;
Des Vetters Arm ward ich entzogen
Zu einer Bruderwiege neu.
Als ich den Bruder groß getragen,
Trieb ich drei Rinder auf die Flur,
Und pries in meinen Hirtentagen
Vergnügt die Schönheit der Natur,
Ward früh ins Ehejoch gespannet,
Trugs zweimal nach einander schwer,
Und hätte mich wol nichts ermannet,
Wenn's nicht den Musen eigen war,
Im Unglück und in bittern Stunden
Dem beizustehn, der ihre Huld
Vor der Geburt schon hat empfunden.
Sie gaben mir Muth und Geduld,
Und lehreten mich Lieder dichten,
Mit kleinen Kindern auf dem Schooß.
Bei Weib- und Magd- und Mutterpflichten,
Bei manchem Kummer, schwer und groß,
Sang ich den König und die Schlachten,
Die Ihm und seiner Heldenschaar
Unsterblichgrüne Kränze brachten,
Und hatte noch manch saures Jahr,
Eh frei von andrer Pflichten Drang
Mir Tage wurden zu Gesang!
*
Johann W. Goethe (1749 –1832)
Prometheus
Bedecke deinen Himmel, Zeus
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut,
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmer’s
Unter der Sonn‘ als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnunsgvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußt‘, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug‘
Zur Sonne, als wenn drüber wär‘
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladene?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiftem?
Hier sitz‘ ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.
(1774)
Johann Wolfgang von . Goethe (1749 –1832)
Wanderers Nachtlied I
Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde,
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!
(1776)
Johann Wolfgang von . Goethe (1749 –1832)
Wanderers Nachtlied II (Ein Gleiches)
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Johann W. Goethe (1749 - 1832)
An den Mond
Erste Fassung (ca. 1776/1778)
Füllest wieder’ s liebe Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz.
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick
Wie der Liebsten Auge, mild
Über mein Geschick.
Das du so beweglich kennst,
Dieses Herz im Brand,
Haltet ihr wie ein Gespenst
An den Fluss gebannt,
Wenn in öder Winternacht
Er vom Tode schwillt
Und bei Frühlingslebens Pracht
An den Knospen quillt.
Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Hass verschließt,
Einen Mann am Busen hält
Und mit dem genießt.
Was den Menschen unbewusst
Oder wohl veracht’
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.
Johann W.olfgang, der Fleißige (1749 - 1832)
An den Mond
Spätere Fg. -Datierung unklar; nach der Italienreise?; veröffentlicht 1789)
Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Fließe, fließe, lieber Fluss!
Nimmer werd' ich froh,
So verrauschte Scherz und Kuss,
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
Rausche, Fluss, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu.
Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Hass verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewusst
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandeln in der Nacht.
August von Platen (1796—1835)
Sonett
Wer wusste je das Leben recht zu fassen,
Wer hat die Hälfte nicht davon verloren
Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren,
In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?
Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,
Mit dem Bewusstsein, was er soll, geboren,
Frühzeitig einen Lebensgang erkoren,
Muss vor des Lebens Widerspruch erblassen.
Denn jeder hofft doch, dass das Glück ihm lache,
Allein das Glück, wenns wirklich kommt, ertragen,
Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.
Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen:
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,
Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.
Franz Grillparzer (1791 – 1872)
An den Mond
Wandle, wandle, holder Schimmer!
Wandle über Flur und Au,
Gleitend, wie ein kühner Schwimmer,
In des stillen Meeres Blau.
Sanft im Silberglanze schwebest
Du so still durchs Wolkenmeer,
Und durch deinen Blick belebest
Du die Gegend rings umher.
Manchen drücket schwerer Kummer,
Manchen lastet Qual und Pein;
Doch du wiegst in sanften Schlummer
Tröstend ihn, voll Mitleid, ein.
Sanfter, als die heiße Sonne,
Winkt dein Schimmer Ruh und Freud,
Und erfüllt mit süßer Wonne,
Tröstung und Vergessenheit.
Hüllst in dichtbewachsnen Lauben
Mit der sanften Phantasie
Ganz den Dichter; machst ihn glauben,
Seine Muse weiche nie.
Und auch mich hast du begeistert,
Der ich dir dies Liedchen sang,
Meiner Seele dich bemeistert,
Da mein Lied sich aufwärts schwang!
Nikolaus Lenau (1802 – 1850)
Trauer
Blumen, Vögel, duftend, singend,
Seid doch nicht so ausgelassen,
Ungestüm ans Herz mir dringend;
Lasst allein mich ziehn die Straßen!
Vieles ist vorübergangen,
Seit wir uns zuletzt begegnet,
Und es hat von meinen Wangen
Meines Glückes Herbst geregnet.
Winter kam hereingeschlichen
In mein Herz, die Tränen starben,
Und schneeweiß sind mir erblichen
Alle grünen Hoffnungsfarben.
Blumen, Vögel, rings im Haine
All ihr frohen Bundgenossen,
Mahnt mich nicht, dass ich alleine
Bin vom Frühling ausgeschlossen!
Theodor Fontane (1819 - 1898)
Umsonst
Immer rascher fliegt der Funke,
Jede Dschunke und Spelunke
Wird auf Wissenschaft bereist,
Jede Sonne wird gewogen,
Und in Rechnung selbst gezogen,
Was noch sonnenjenseits kreist.
Immer höh’re Wissenstempel,
Immer richt’ger die Exempel,
Wie Natur es draußen treibt,
Immer klüger und gescheiter,
Und wir kommen doch nicht weiter,
Und das Lebensrätsel bleibt.
Theodor Fontane (1819 - 1898)
Ja, das möchte ich noch erleben
Eigentlich ist mir alles gleich,
Der eine wird arm, der andre wird’s reich,
Aber mit Bismark - was wird das noch geben?
Das mit Bismark, das möchte ich noch erleben.
Eigentlich ist alles sososo,
Heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
Ach es ist nicht viel dahinter.
Aber mein Enkel, so viel ist richtig.
Wird mit Nächstem vorschulpflichtig.
Und in etwa vierzehn Tagen
Wird er eine Mappe tragen,
Löschblätter will ich ins Heft ihm kleben -
Ja, das möchte ich noch erleben.
Eigentlich ist alles nichts,
Heute hälts und morgen brichts,
Hin stirbt alles ganz geringe
Wird der Wert der ird’schen Dinge;
Doch wie tief herabgestimmt
Auch das Wünschen Abschied nimmt,
Immer klingt es noch daneben;
Ja, das möchte ich noch erleben.
Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)
Ecce homo
Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.
(1882)
Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929)
Ballade des äußeren Lebens
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf uns sterben,
Und alle Menschen gehen ihre Weg.
Und süße Früchte werden aus den herben
Und fallen nachts wie tote Vögel nieder
Und liegen wenig Tage und verderben.
Und immer weht der Wind, und immer wieder
Vernehmen wir und reden viele Worte
Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
Und drohende, und totenhaft verdorrte. . .
Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen
Einander nie? und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele,
Die wir doch groß und ewig einsam sind
Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?
Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt der viel, der »Abend« sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
Christian Morgenstern (1871 - 1914)
Palmström
Pamström steht an einem Teiche
Und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
Dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen –
Er gehört zu jeden Käuzen,
Die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
Zärtlich faltet er zusammen,
Was er eben erst entbreitet,
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
Weil er ungeschneuzt entschreitet.
Franz Kafka (1883 – 1924)
In der abendlichen Sonne
sitzen wir gebeugten Rückens
auf den Bänken in dem Grünen.
Unsre Arme hängen nieder,
unsere Augen blinzeln traurig.
Und die Menschen gehn in Kleidern
schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel,
der von Hügeln in der Ferne
sich zu fernen Hügeln breitet.
(vor 1907)
Oskar Loerke (1884 – 1941)
Lebensschiff
Die Einsamkeit, das Ungeheuer,
Die sie durchfliehen, die Gedanken,
Sind nur geliehen wie die Planken
Am Fuß, zu Kopf die Irrwischfeuer.
Das Lebensschiff ist nicht mein eigen,
Jedoch die Flut in mir, die Riffe:
Drum werde ich zum Schluß dem Schiffe
Selbst nicht als letzter Mann entsteigen.
Kann meine Nacht nur Nächte sichten
Bei Seegedonner, Kettenjammern?
Kann meine Hand kein Mensch umklammern ?
Es pfeift und widerhallt: mitnichten!
In dieser Mittnacht krähen Hähne,
Wie wärmste Lande sie nicht brüten,
Die sich von Drüben herbemühten —
Sie krähn vom Mast dem Kapitäne:
»Da sind wir! bunte Fahngesellen!
Wo sind die ändern ? die Matrosen ?
Du wirst kein beßres Los erlosen!
Wer Flügel hat, wird nicht zerschellen.
Du hast sie nicht? und mußt es büßen ? -
Du hast sie! Laß dich nicht verwirren!
Wir müssen eilen, und wir schwirren,
Dich bei uns drüben zu begrüßen.«
*
Johann Spratte © (1901 – 1991)
Mamme
De Kinner sind up eenmoal graut,
se loupet in de Welt,
un seiten doach up minen Schaut,
un häwwet wat votellt.
De Tiet vogönk bi düt und dat,
met Kretten un Hanteen,
nu goaht se oalle iähren Pad,
un ick bin gans alleen.
Dat Liäben is up eenmoal still,
un luurig is de Dag.
Is nicks, wat sick noa reugen will,
äs blaut de Klockensöag.
Doach manges, nachts, wenn oalles slöp,
dann kümp et mi sau vör,
oas wänn in’n Düstern eener röp
doar buten vo de Döer.
aus:
Johann Spratte, Gelber Wiesenmond. Ausgewählte Gedichte. Lechte Verlag Emsdetten 1980 S. 85
Ich danke ganz herzlich dem Sohn des Autors, Herrn Wido Spratte, Wallenhorst/ Lechtingen, für die
freundliche Abdruckerlaubnis; Februar 2011. - s.a. In memoriam Johann Spratte -
Hans Bender © (* 1919)
Ovids Metamorphosen
Das war eine andere, schönere Zeit.
Weiter und heller waren die Räume.
Die Menschen, die Helden starben nicht:
wurden verwandelt in Blumen, in Bäume.
Hans Bender (* 1919)
Wie es kommen wird
Bei mir behalten?
Oder weitersagen?
Du wirst alt sein
und wie Hiob klagen.
Ich danke Hans Bender sehr herzlich für die Abdruckerlaubnis dieses Vierzeilers (Köln, Sept. 2008) -
s. Dichter – Handwerk – Herbst - Glaube – Liebe – Mensch - veröffentlicht auch in:
AKZENTE. Zeitschrift für Literatur, hrsg. von Michael Krüger Carl Hanser Verlag Juni 2008 und in:
Hans Bender, Wie es kommen wird. Meine Vierzeiler, Hanser Verlag 2009, S. 26 und 67
Erich Adler ©
Und tauscht den Blick …
Nach dreißig Jahren Tisch und Bett
erschreckt morgens die Frage:
Kennst du eigentlich
Einsamkeit
Ich streiche die Brösel vom Tisch
schiebe meiner Frau den Brotkorb in die Hand
Mit meiner Überraschung im Zwiegespräch
wandert die Frage
zu den sinkenden Nachrichten der Zeitung
Über die Kaffeetasse hinweg geschaut
tröpfelt Milch
Ja - lache ich:
Einsamer noch
als Gottfried Benn im
August.
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