“... Lesen schadet den Augen! ”

 

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                             Gnadenlos abgekupfert - und keiner merkt’s?

 

                        Vorgefertigtes Sprachgut in der Werbung

  

                                Kennen Sie die Zehn Gebote?

 

        Dumme Frage, Schadchen,  - ich hab doch keinen moralischen Durchhänger, natürlich:

 

                  1.    Du sollst nicht …….. ööööhhh…  ...

 

                       ...  in der Schule abschreiben!

 

                     Oft gefordert - selten realisiert.

 

            Schulethik: Liebe die Hausaufgabe deines Nächsten /Nachbarn.

 

  Der Mensch ist eben ein schwaches Wesen, wenn er so durch die Gegend schleicht. Wer sagt

  schon zu seinem Nebenmann: „Schleich dich!“ - Schließlich will man auch irgendwann mal an fremde

  Informationen.

           („Könnte ich wohl mal die Handynummer von deiner Freundin haben?“ - „ ??? “)

 

 Also die berühmten Zehn Worte des AT -  (Völlig daneben liegt, wer hier an „alte Technologie“

  denkt als Vorläufer der/ des NT )  - hat man doch in der Grundschule in sprachlich abgespeckter

 Form gelernt. Jahre später lustwandelt (lustschleicheln - gibt’s wohl noch nicht) man durch die Straßen,

 kommt an einem Schuhladen vorbei, eine Reklamekuh blickt mich, den Werbeadressaten, bravblöd an.

 (Kennt die mich?) und dann erfahre ich, was dem Menschen so sittlich abgefordert wird, wenn das

 Leben ihn auf die Füße stellt. Lesen Sie selbst. Es muss nicht immer reimen oder auf brillante

 rhetorische Figuren zurückgreifen, was sich bei uns festsetzen will; es kann sich auch auf andere,

 schleichende Weise festmachen, durch

                                 vorgegebenes  Sprachmaterial

   das mir  also  mehr unterbewusst vorliegt, sehr wirkungsvoll, und nicht nur bei Kirchgängern in

   Bistumsstädten.

    O-Ton Schuhwerbung:

 

DER  TANZ UMS

LEDERNE KALB

ODER DIE

10 GEBOTE DER

SCHUHPFLEGE..

  

 Erstes Gebot:

  Du sollst dir ein hölzernes Abbild machen von deinem Schuh und es benutzen. Den Schuhspanner.

  Zweites Gebot:

  Du sollst den Schuhruhetag halten. Nach jedem Arbeitstag hat er einen Tag frei.

  Drittes Gebot:

  Du sollst deine Schuhe nimmer ans Fegefeuer „Heizung“ stellen. Denn große Hitze scheut der Schuh

  wie der Teufel das Weihwasser.

 Alle fröhlichen 10 Gebote der Schuhpflege finden Sie jetzt bei 

 

       ................………..     (Name des  Schuhgeschäfts)

                                 auf Papier geprägt. Zum Mitnehmen.

 

  Und zum Schluss der Werbeseite dann noch eine werbetypische These:

  

                            Immer den einen Schuh voraus.

  

 (Jetzt müsste Lyrikschadchen mal einen Vers vom Copyright befreit werden, großer Augsburger, danke!)

                     

                                   Derlei wünschte ich gern von meinem Vers.

 

   Zu guter Letzt - mein  “Déjà-vu-Reim” - hat gerade das Licht der Käuferwelt erblickt:

                               Born to be mild!   (Osnabrücker Stadtblatt Nr. 330 Juli 2006)

            

Suchen Sie das Reimwort? Es steckt doch in Ihnen, egal, wofür Sie geboren sind, vielleicht auch

für das bei diesem Werbeversprechen zu entdeckende Trinkerlebnis aus Herford.

 

                                                          Born to be wild

                                                           

    Nicht wichtig, ob Sie nun den Urheber dieser Lebensmaxime (Dennis Edmonton - Easy Rider 1968)

  kennen - den Spruch erkennen Sie, intuitiv, erkennen Sie wieder, er scheint Ihnen irgendwie vertraut

  - und die Werbefalle hat zugeschnappt. Rasch an den Kühlschrank und ich höre schon:

                 “Mutti, is’ ja wieder die falsche Pilsmarke im Kühlschrank!”

   Hoffentlich irre ich mich!  Aber wohl nicht, was die Reimtechnik anbelangt.- (Obendrein:

   Die anglophile Anapher nicht übersehen! - Werbung als Sprachspiel, witzig und gekonnt!)

  

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